Samstag, 6. Januar 2007

If I had a million dollars ...


... I'd be rich. (Barnaked Ladies, ein sehr humorvolles Lied).

Unsere liebe Nation lebt ja nun schon eine ganze Weile mit dem Euro. Ob er das europäische Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt hat kann ich nicht sagen. Ich könnte mir allerdings vorstellen, daß gemeinsames Fluchen auf eine neue Währung sehr verbindend wirkt, doch, durchaus.

Wir hatten damals ja, im Vergleich zum armen Italien beispielsweise, das Glück, daß wir recht leicht umrechnen konnten, nämlich 1:2. Das ging fix, war selbst naturtrüben Mitmenschen mit nur marginalen Mathemathikfähigkeiten möglich und wurde auch ausdauernd betrieben. Allenthalben schallte es einem also aus jeder Ecke entgegen: „10 Euro? Aberdassindja20Mack!

Es gingen etliche Jahre ins Land, ich kann mitunter aufrechtstehende Münzen in meinem Geldbeutel bereits identifizieren, ohne sie herauspfriemeln zu müssen und jeder normale Mensch weiß, daß heutzutage die 1:2-Euro:DM-Umrechnung obsolet ist. Durch Inflation und andere finanzpolitische Ereignisse ist heutzutage eigentlich alles teurer, und das wäre es auch, hätten wir die DM behalten. Irgendwo habe ich mal gelesen, daß die Kaufkraft von einem Euro momentan sogar ungefähr der damaligen Kaufkraft von 1 DM zur Zeit der Umstellung entspricht. Ob das so stimmt, weiß ich nicht, aber gefühlsmäßig könnte es hinkommen.

Bisherige Synopsis: Für 20 Euro bekommt man heutzutage ungefähr das, was man damals für 20 Mark bekam. So über'n Daumen gepeilt. Umrechnen unnötig.

Anyway, die meisten Menschen wissen das, oder zumindest, daß der Umrechnungsquotient veraltet ist. Einige verweigern sich aber störrisch der Erkenntnis und rechnen täglich noch um. Und wer meint ihr, tut sich dabei besonders hervor? Na? Richtig. MutterKatz. Seit längerer Zeit versuche ich nun schon, ihr mit wohlgesetzten Worten zu erklären, daß ihre Umrechnung sinnlos ist. Vergebens. „30 Euro? DASSINDJA60MACK!“ heute vormittag, „5 Euro? DASSINDJA10MACK!!“ heute nachmittag und zum Abend vielleicht noch ein „25 Euro? DASSINDJA50MACK!!!!!111einself“ dazu.

Was sollte ich also tun? Aufgeben? Niemals!
Ich machte mich also zur besseren Veranschaulichung auf die Suche nach einer uralten Währung und stieß auf den florentinischen Gulden, auch Florin genannt. Der galt im 11ten Jahrhundert. Sehr schön, diese Währung dürfte alt genug sein.

Das zweite Problem war die Berechnung des Wertes. Was sollte ich nehmen? Den Goldwert? Den heutigen Sammlerwert? Den damaligen Gegenwert der Kaufkraft? Ah. Ja, letzeres schien mir die einzig sinnvolle Methode zu sein. Was aber war der damalige Wert?
Auf einer Mittelalterseite stieß ich auf die Angabe, daß eine normale Familie von einem Florin einen Tag lang leben konnte.

Toll. Was ist bitte eine (für damalige Verhältnisse) normale Familie? Vater, Mutter, 4 Großeltern und 27 Kinder? Kauft diese Familie bei Lidl oder im Feinkostgeschäft ein? Zählen die Tiere auch zur Familie? Wieviele Tiere hatte so eine Familie normalerweise? Welche Tiere? So'n Elefant frisst ja nun mal etwas mehr als ein Teddyhamster. Welche Kosten kamen da denn vielleicht noch hinzu?
Nein, hier war ich in einer Sackgasse gelandet, diese Angaben brachten mich nicht weiter.

Also ein bisschen mehr nachgeforscht. Et voila, ich fand eine Seite, die angab, wieviel Pfund Schweinefleisch man sich damals von einem Florin kaufen konnte. Bingo! Zum Vergleich mußte ich natürlich heutiges Bioschweinefleisch hernehmen, denn damals gab's ja auch noch keine Massentierhaltung und andere verbilligendere Faktoren. Dann noch einen kleinen Aufschlag, denn damals war Tierhaltung aufgrund fehlender Behandlungsmethode bei Krankheiten noch riskanter und aufwendiger.

Nach etlichem Herumtüfteln kam ich also drauf, daß die Kaufkraft von 1 Florin damals ungefähr der Kaufkraft von 50 heutigen Euros entsprechen dürfte.

HA! :tiefe Befriedigung:

Dann verbrachte ich einen halben Tag bei dem Versuch mich daran zu erinnern, warum ich das in erster Linie herausfinden wollte. Decken wir bitte den liebevoll geblümten Mantel des Schweigens darüber. :füßescharr:

Von diesem Augenblick an, der vor ein paar Wochen war, begann ich also, auf MutterKatz' „50 Euro? DASSINDJA100MACK!!!“ mit „Ja. DAS IST EIN GANZER FLORIN! OMGWTF!!! DASMUSSMANSICHMALVORSTELLEN!“ zu antworten.
Auf ihre Frage, was denn ein Florin sei, antwortete ich: „Eine uralte Währung, völlig irrelevant heutzutage. Wie die DM. Aber wenn Du ständig sinnlos umrechnest, dann darf ich das auch, oder?“
Natürlich sagte ich es nett und mit einem Lächeln, wie ich halt mal so bin ... manchmal.

Ob es wirklich was bringt, weiß ich nicht. Wahrscheinlich wird sie auch noch in 25 Jahren umrechnen und mit rauher Altweiberstimme „30 Euro für ein Brot? DASSINDJA60MACK!“ krächzen.
Aber mei.
Ich fand mich gut.

Kommentare:

Doubtfool hat gesagt…

*grins*
Du bist gut.

Hoppi hat gesagt…

Bwah! Da wär ich gern dabeigewesen! :grin:

balu hat gesagt…

Zur Verteidigung deiner Mutter - ab und an rechne ich auch noch mal in die Vergangenheit um. Zuletzt auf dem Wihnachtsmarkt - die wollten für eine Krakauer 2,80 €. Da hab ich mal im Kopfe überschlagen, und ich kann mich nicht erinnern, zu Dm Zeiten jemals etwas in Richtung 5,50 DM für eine Wurst bezahlt zu haben. Mein erster Gedanke war "so gut kann die gar nicht schmecken wie sie kostet". Allerdings hatte ich Hunger, und der Magen hat dann den Kopf überstimmt. Was soll ich sagen, keine Überraschung - so gut hat sie wirklich nicht geschmeckt.

Allerdings hab ich auch nie für 2,50 DM getankt, trotzdem mache ich das jetzt umgerechnet regelmässig - da sage noch einer, ich hab mich nicht wirklich von der DM gelöst !